Museen Nabburg

Kunst, Kulturgeschichte und Naturkunde

Hl. Sebastian

Hl. Sebastian © Christa Haubelt-Schlosser 2020

Herkunft und Beschreibung

Stadtpfarrkirche St. Johannes d.T., Nabburg, vom ehemaligen linken neugotischen Seitenaltar (um 1870) zusammen mit dem hl. Florian rechts und der gotischen Mondsichermadonna im Zentrum, die aktuell als einzige Figur verblieben ist.

Der hl. Sebastian ist als junger Mann mit halblangem, gewelltem Haar dargestellt. Sein Oberkörper ist nackt, um den Unterkörper hat er ein bis zu den Füßen reichendes Tuch geschwungen. Das rechte Bein ist gestreckt, das Linke im Knie gebeugt, der Fuß entsprechend leicht zur Seite gestellt. Die Arme hält der Heilige in den Ellbogen gebeugt und im Rücken gefesselt. Der Pfeil unterhalb der rechten Brust und ein Teil des Baumstammes sind abgebrochen, letzterer getrennt erhalten.

Tradition

Sebastian wird in Rom bereits im 4. Jh. verehrt. Ein Mosaik von etwa 680 gibt ihn in S. Pietro in Vincoli wieder, eine Märtyrerkrone in Händen. In Deutschland treten die ersten Darstellungen in der Buchmalerei des 12. Jhs. auf (Hirsauer Passionale). Die zunächst von Pfeilen durchbohrte, jugendlich bekleidete Gestalt erscheint nur vereinzelt in plastischen Werken als Ritter mit Schild, Lanze und Schwert (Freiburg, Münsterturm, 13. Jh., Straßburg, Glasfenster im Münster, 14. Jh.) und trägt dann meist einen Pfeil in der Hand (Regensburg, Domschatzreliquiar, um 1505). Insbesondere in der italienischen Frührenaissance bevorzugte man den jugendlichen Heiligen, der die Gelegenheit zur Aktdarstellung bot. Der Heilige wurde als Nothelfer gegen die immer wieder in Europa grassierende Pest verehrt. Die Pfeile galten nach Ps. 7,13f. als Symbol plötzlicher Krankheit und sein von Pfeilwunden bedeckter Körper glich dem von Pestkranken. Beispiele der deutschen Tafelmalerei sind eine Tafel der Wolgemut-Werkstatt, 1487, vom Hochaltar der Augustinerkirche (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum) und Holbein d.Ä., 1516 (München, Alte Pinakothek), auch Albrecht Altdorfer, 1518, Stift St. Florian, mit einer zyklischen Darstellung. Meist wird hier der von Wunden bedeckte, magere Körper hervorgehoben. Als einzelne Beispiele sind besonders der Holzschnitt Schongauers und die Tafel am Isenheimer Altar des Matthias Grünewald hervorzuheben, losgelöst von der Säule und sein Leiden annehmend.

Text: Stadtmuseum Zehentstadel/Christa Haubelt-Schlosser M.A.

 

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